Montag, Juni 26, 2017

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Wirtschaftlicher Überblick

Kategorie: Palästinenische Wirtschaft

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Die palästinensische Wirtschaft besteht hauptsächlich aus Dienstleistungsunternehmen (Transport-, Kommunikations-, Software- und Finanzsektor) sowie aus klein- und mittelständischen Betrieben, die Waren für den heimischen Markt und den Export nach Israel produzieren. Einige Branchen haben es trotz der schwierigen Lage geschafft, sich auf dem nahöstlichen Markt, in Europa und Amerika zu platzieren. Hierzu gehören die Landwirtschaft, die Nahrungs-, Genussmittel- und Getränkeindustrie sowie der Pharmabereich. Der größte Sektor im Industriebereich ist der stetig wachsende Bausektor, der im Jahr 2007 11,6% der palästinensischen Arbeitskräfte beschäftigt und 2,5% des BIP erwirtschaftet hat. Im Gazastreifen hat sich zudem eine nennenswerte IT-Branche etabliert.

Der Wiederaufbau der Infrastruktur und die Versorgung der über 4 Millionen Palästinenser werden ungeachtet der Krieg und Besatzung geschuldeten schwierigen Lage vorangetrieben. Vor allem in der Industrie besteht aufgrund des langjährigen Entwicklungsrückstandes Nachholbedarf. Um die Entwicklung zu beschleunigen, hat die PA 2007 den Palästinensischen Reform- und Entwicklungsplan (The Palestinian Reform and Development Plan [PRDP], Dreijahresplan bis 2010) auf den Weg gebracht, der in den Jahren 2008 bis 2010 Investitionen von über 400 Millionen US-Dollar zur Stärkung dieser Sektoren vorsieht. Da das palästinensische Eigenkapital gering ist, stellen seit Jahren Geberländer vor allem beim Aufbau der Infrastruktur finanzielle Hilfsmittel zur Verfügung. 

Starke Verflechtungen bestehen in wirtschaftlicher Hinsicht zwischen dem palästinensischen und dem israelischen Markt. Palästina und Israel haben de facto eine Zollunion. Das bedeutet, in Israel und in Palästina gelten dieselben Zölle und Steuern, aber auch dieselben Normen und Standards. Israel ist der Haupthandelspartner der Palästinensischen Gebiete. Diese fungieren als Absatzmarkt für Israel, während die palästinensischen Betriebe als Zulieferer für israelische Produzenten dienen. Dabei werden mehr als 83 Prozent der palästinensischen Importe aus Israel bezogen und über 91 Prozent der Exporte nach Israel ausgeführt. Auch palästinensische Arbeitskraft wird nach Israel exportiert: Vor der zweiten Intifada und den damit verbundenen Mobilitätsbeschränkungen fanden rund ein Viertel der palästinensischen Beschäftigten dort Arbeit. 

Heute bauen palästinensische Unternehmen und die Autonomiebehörde verstärkt eigene Strukturen auf, um die Direktvermarktung für den Im- und Export zu entwickeln. Dies beinhaltet auch den Aufbau eines eigenen Vertriebsbetreibernetzes in Palästina.
Im Mai 2008 fand in Bethlehem die erste Palestine Investment Converence (www.pic-palestine.ps) statt, die in Zusammenarbeit mit der Weltbank organisiert wurde, um die palästinensische Wirtschaft zu stärken und den Wiederaufbau zu unterstützen. Auf der von lokalen Unternehmen und möglichen Investoren besuchten Konferenz wurden 1,4 Mrd. US-Dollar für Projekte im Westjordanland und in Gaza zugesagt, u. A. Investitionen für eine neue Mobilfunkgesellschaft, für den Wohnungsbau und die palästinensische Industrie.

Die EU, die EFTA, die USA und Kanada haben Freihandelsabkommen mit Palästina abgeschlossen und verschiedene arabische Staaten gewähren der palästinensischen Wirtschaft Meistbegünstigungsklauseln oder Zoll- und Steuerfreiheit. 

Die wirtschaftlichen Restriktionen Israels (Abriegelungs- und Separierungspraktiken) sind bis heute präsent und verschlechtern kontinuierlich die Situation. Betroffen ist insbesondere der Gaza-Streifen durch die seit fast zwei Jahren anhaltende Blockade. Diesen Restriktionen zufolge ermittelte der Internationale Währungsfonds für das Jahr 2007 ein reales BIP von Minus 0.5 Prozent (5,045 Millionen US-Dollar). Im Falle der Lockerungen der israelischen Zugangs- und Mobilitätsbeschränkungen und durch den Start des international großzügig unterstützten Reform- und Entwicklungsplans sieht der IWF in den palästinensischen Gebieten allerdings ein starkes Wachstumspotenzial und prognostiziert für das Jahr 2011 ein BIP von 7,5 Prozent (5,0%/2009; 6,5%/2010). 

 



 

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